Nördliches Panorama - Fabrizio Vesentini

Motorradgrüsse aus Norwegen – Tagebuch Teil 3

Gepackt, gestärkt, gerüstet und weiter geht die Reise im Norden.

Hey Riders, mittlerweile kennen wir Fabrizio der uns mit auf seine Reise durch Norwegen nimmt. Er hat uns wieder so einiges berichtet, welches wir in einen neuen Beitrag gepackt haben. Auf geht's zu Teil 3.

Freitag, 30. Juli 2021

Der Morgen naht und scheint trocken zu sein. Es hat aber stark abgekühlt. So entscheide ich mich, in meinem Vorzelt zu frühstücken.

Als es dann losgeht, stehe ich nach ca. 500 m vor einem Zaun. Dieser lässt sich nicht einfach öffnen und umfahren. Ich muss umkehren. Auf der Rückfahrt stosse ich mit dem Koffer an einem Ast an. Erst mehrere Stunden später merke ich, dass dies die Lampe ins Jenseits befördert hat… **Oh no!**

Die ganze Zeit lässt sich die Sonne nicht blicken und es will nicht wirklich warm werden.

In Namsos (NOR) direkt am Flugplatz finde ich einen Campingplatz, welcher sehr ruhig und günstig ist.

 

Samstag, 31. Juli 2021

**Hipp, hipp, hurra, die Sonne scheint** Doch nur kurz.

Als ich der Strasse nach Lunde (NOR) folge, nehmen graue Wolken die Überhand.

Am Kai (Uferbauwerk) gibt es Kaffee, denn die Wartezeit ist mehr als 30 Minuten. Von der Fähre runter sollte es gegen Westen gehen. Doch wie immer regnet es. Also weiter direkt nach Kolvereid (NOR) bis zur nächsten Fähre. Jetzt stehe ich in Horn (NOR), schnell noch ein Foto machen und meinen Grosseltern die in Horn (CH) wohnen, senden.

Bevor ich auf die nächste Insel fahre, will ich mein Zeltlager aufschlagen. Die Läden hatten alle schon geschlossen und ich dachte nicht daran einzukaufen. Also esse ich meine Notration: Spaghetti aus der Dose. 

Wolkenbruch - Fabrizio Vesentini

Wolkenbruch - Fabrizio Vesentini

Sonntag, 01. August 2021

Happy Swiss National Day!

Geweckt werde ich heute von einem krähenden Hahn und blökenden Schafen. **Kikkerikiiiiiiii**, **määääääh** 

Da ich gestern meine Notration gegessen habe, muss ich heute unbedingt einkaufen gehen. Dies bedeutet, weg von der E17 und auf zu einem Umweg von ca. 1h über Mo i Rana (NOR).

Die Fähre wird bereits beladen als ich ankomme und die Crew kämpft um jeden Millimeter. Gerade bei den Wohnmobilen wird es eng. 50 Minuten lang geht es übers Wasser. Mein Platz, direkt neben dem Motorenraum. **Hä, was hast du gesagt? **

Nach Ankunft sind es ca. 28 Kilometer bis zur nächsten Fähre. Dies ist die letzte Fähre auf der E17 und auch die letzte für mich, für heute.

Heute darf natürlich auch die Schweizerfahne nicht fehlen.

Beim Abendessen setzt der erste Regen ein und ein kräftiger, doppelter Regenbogen wird hinter dem Zeltplatz sichtbar. Was für ein wunderschöner Abschluss zum heutigen 01. August.

Schweizer Nationalfeiertag in Norwegen - Fabrizio Vesentini

Schweizer Nationalfeiertag in Norwegen - Fabrizio Vesentini

Der Himmel lebt - Fabrizio Vesentini

Der Himmel lebt - Fabrizio Vesentini

Nach dem Sturm folgt ein Regenbogen - Fabrizio Vesentini

Nach dem Sturm folgt ein Regenbogen - Fabrizio Vesentini

Montag, 02. August 2021

Regen, Regen, immer dieser Regen.

Neuer Tag, neues Drama: Ich frischfröhlich Kaffee kochend, kurz bevor der Kaffee fertig ist, kippt der Kocher um und der Kaffee fliesst über die Wiese **Na toll**.

Den ersten Tunnel will ich umfahren, doch nach all dem Regen ist der Boden schlammig und die Steine rutschig, was mich zum Umkehren zwingt.  Die E6 führt mich heute bis nach Ulsvåg (NOR). Hier gibt es einen Campingplatz mit freien Hütten. Da alles nass ist und ich meine Sachen dringend trocknen müssen, beziehe ich ausnahmsweise eine Hütte. Duschen ohne Zeitlimit und eine richtige Matratze sind zwischendurch Gold wert.

Dienstag, 03. August 2021

Heute heisst es ausschlafen.

Kurz nach meiner Abfahrt kommt es mir in den Sinn: Bier und Fleisch stehen noch im Kühlschrank **NEEEEEIN**. Also nichts wie zurück.

Heute gibt es mehr Brücken zu bestaunen als Fähren. In Narvik (NOR) gibt es Nahrung fürs Bike. Weiter geht es in die Finnmark bis nach Fossbakken (NOR).

Kaum angekommen bleibt keine Zeit zum Verweilen, es geht nordwärts, Tromsø (NOR) ist das Tagesziel. Via Bunk-a-biker habe ich eine Unterkunft für die Nacht gefunden - abseits von jeder Stadt. 

Der Gastgeber ist sehr unkompliziert. Es gibt selbst gebrautes Bier und Burger. **Was will MANN mehr**.

Mittwoch, 04. August 2021

Nach einer hellen Nacht bin ich früh wach. 

Zurück in Tromsø (NOR) wird getankt und beim lokalen Yamaha-Händler gestoppt. Das Reifenprofil muss gemessen werden. Alles in bester Ordnung. **Puuuuuuh**.

Auf Anraten folge ich nicht der Hauptachse, sondern mache erneut Fährenshopping. So vermeide ich einige Tunnel, in denen es a***kalt sein soll. Nach Ålta (NOR) wird es schon fast langweilig, keine Kurven nur eine gerade Strasse durch die Finnmark.  Auf einem Campingplatz in Hammerfest (NOR) mache ich einen Halt und beziehe ein kleines Häuschen.

Highlight des Tages:

Es gelingt mir den Beginn einer Regenwolke zu fotografieren.

Donnerstag, 05. August 2021

Nach einer durchgeschlafenen Nacht mache ich mit nach ausgiebigem Frühstück auf den Weg.

Das heutige Ziel: Das Nordkap.

Auf den Strassen von Hammerfest (NOR) sorgen ein paar Rentiere für Abwechslung.

Von Porsanger ans Kap befinde ich mich mitten im Abenteuer. Wind und Regen peitschen gegen die Felsen und das Motorrad. Klares Highlight bis Honningsvag (NOR) ist der Nordkapptunnelen. Einer der tiefsten Untersee-Tunneln. Er befindet sich 212 Meter unter dem Meeresspiegel.

Jetzt geht es ans Nordkap. Ein Stück, das es in sich hat. Der Wind dröhnt über die Strassen und das Bike wird fast vom Asphalt in den Graben gedrückt.
Dann bin ich endlich hier, am Nordkap. Aber auch hier sieht es nicht besser aus und die Sicht lässt zu wünschen übrig. Da kommt mir die iOverlander-App in den Sinn. Vor einiger Zeit habe ich in der Story von Heather Sinclair (Insta: improbablyadventuring) gesehen, dass sie ihre Wildcampspots in dieser App gefunden hat. 

Ich bin so aufgeregt, dass ich nicht schlafen kann und um 01:00 Uhr wieder aufs Bike steige. Der Himmel ist noch rot gefärbt vom Sonnenuntergang und um 02:00 Uhr soll die Sonne schon wieder aufgehen.

Bike hinstellen, Kamera aufbauen, Fotos schiessen. 

Jetzt nichts wie zurück zum Zelt und schlafen gehen.

Fabrizio am Nordkap - Fabrizio Vesentini

Fabrizio am Nordkap - Fabrizio Vesentini

Freitag, 06. August 2021

Mit Ausschlafen wird heute nichts. Bereits um 08:00 Uhr bin ich wach, obwohl ich erst um kurz vor 03:00 Uhr im Bett war. Die Sonne steht bereits hoch und es ist angenehm warm. Am Nordkap gibt es Kaffee und Waffeln. Dann geht es wieder Richtung Süden. Tagesziel ist heute der Windpark.  Als ich ankomme ist das Gebiet gesperrt, die Windräder werden ersetzt und sogar Sprengungen auf dem Areal sollen stattfinden **toll**. Also kehre ich um und fahre wieder Richtung Süden, bis nach Lakselv (NOR). 

Samstag, 07. August 2021

Heute werde ich von der Hitze geweckt. Bereits um 7 Uhr brennt die Sonne auf das Zelt.

Tagesziel: der nördlichste Festlandleuchtturm der Welt.

Auf nach Ifjord (NOR). Dort befindet sich auch die letzte Tankstelle, für eine Weile. Die Strasse erstreckt sich auf weitere 120 km von 0 m ü. M. bis fast 400 m ü. M. In Gamvik ist es, ein kleines Schild mit der Auffschrift (Fyr). Also folge ich der Strasse bis zum Leuchtturm.

Er ist geschlossen, ebenso das dazugehörige Restaurant. Es steht noch eine italienische GS auf dem Parkplatz, ansonsten ist niemand hier.

Wohl oder übel trete ich die Rückreise an. 120 km trennen mich jetzt von der nächsten Tankstelle. Jetzt heisst es Zittern und Hoffen. **Hoffentlich schaffe ich das noch. **

Geschafft!

Auf zu den Sanddünen - Fabrizio Vesentini

Auf zu den Sanddünen - Fabrizio Vesentini

Vom Winde verweht - Fabrizio Vesentini

Vom Winde verweht - Fabrizio Vesentini

Das Leuchten am Ende der Welt - Fabrizio Vesentini

Das Leuchten am Ende der Welt - Fabrizio Vesentini

Sonntag, 08. August 2021

Das Ziel für heute ist Berlevåg (NOR). Als ich dort ankomme, ist die Kommune wie ausgestorben. Weitere 15 km Schotter führen dann bis an die Küste von Store Molvik (NOR). Dies ist eine alte Fischersiedlung, die gemäss Funden schon 4000 Jahre alt ist.

Weiter nach Batsfjord (NOR). Auch hier entdecke ich einige interessante Strassen, die ich mir später genauer anschauen will. Batsfjord ist ebenfalls eine Fischerdorf.
Nichts zu sehen und nichts los. Auf geht’s zurück in die Zivilisation.

Nun befahre ich all die kleinen Strassen, die ich zuvor gesehen habe. Es gibt alles: Von bisschen Schotter, zu grobem Schotter, über fast Geröll. Dabei fühle ich mich ein bisschen wie Pol Tarres beim RedBull Romaniac.

Montag, 09. August 2021

Es ist ausschlafen angesagt.
Meine kleine Sternfahrt ist noch nicht zu Ende. Heute geht es dem Varanger Fjord entlang, bis ich wieder im Batsfjord (NOR) bin. Zuerst auf gemütlichen Überlandstrassen, dann durch kleine Dörfer. Die letzten 30 km sind die interessantesten. Die Strasse ist kaum 3 Meter breit, führt durch raue Felsen und hat links und rechts ein bisschen Kies, um auszuweichen.

Mit der E6 verlasse ich Batsfjord (NOR) wieder Richtung Grenze. Kurz vor der Grenze biege ich jedoch ab und folge ihr bis an die Barentssee. 


Da es spät wird, versuche ich, einen Zeltplatz zu finden, aber Campingplätze sind hier im Grenzgebiet Mangelware. An der Tankstelle treffe ich einen Holländer, der dasselbe Problem hat. Gemeinsam machen wir uns auf die Suche und finden auf einem Dauercampingplatz ein Stückchen Erde, wo wir unsere Zelte hinstellen können.

Regel Nr.1 an der russischen Grenze:

Du darfst nicht am Fluss stehen und gegen Russland pinkeln.

Dienstag, 10. August 2021

Die Sonne weckt mich heute mit ihren Strahlen, die mir direkt ins Gesicht scheinen. Auch mein Nachbar ist schon wach. Wir bauen unsere Zelte ab und Frühstücken gemeinsam.

Für mich geht es Richtung Finnland. Bei meiner Einreise ist die Grenze nicht besetzt und so fahre ich zum See Inarijärvi. Aber wie soll es auch sonst sein - es beginnt zu regnen **Urgh**. Also heisst es für mich Regenkombi montieren und weiter geht die Fahrt bis nach Inari (FIN). Kurz tanken und weiter geht’s wieder Richtung Norden. Ich will nach Karasjok (NOR) zurück, denn dort soll die Sonne scheinen. Die wenigen Kurven, die signalisiert sind, haben die Bezeichnung Kurve nicht verdient **Verdrehe meine Augen**.

In Karasjok (NOR) angekommen, will ich einkaufen, doch der dortige Supermarkt ist so heruntergekommen, dass ich mir eine Flasche Mineral nehme und mein Glück woanders versuche. Das neue Ziel für heute ist Alta (NOR). Kurz vor Alta (NOR) entdecke ich eine kleine Schlucht und fühle mich direkt wieder wie zuhause.

Ich freue mich auf morgen, da soll es auf dem TET (TransEuroTrail) wieder Richtung Süden gehen.

– Fabrizio

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