Wintertraining - Ab in den Süden

Das Trainingsangebot für Motorradfahrer ist in der Schweiz leider sehr begrenzt, zudem lassen die Temperaturen den Fahrspass im Winter kaum zu. Um in den kalten Monaten nicht Rost anzusetzen, hilft also nur eines: die Flucht in den Süden!

Während den kalten Wintermonaten sind wir in der Schweiz fast schon gezwungen, unsere Motorrad-Aktivitäten nach Drinnen zu verlegen oder im schlimmsten Fall sogar eine Winterpause zu machen. Gerade für (Hobby-)Rennfahrer werden die Trainingsmöglichkeiten auf dem Motorrad in dieser Zeit stark eingeschränkt. Um in der Schweiz im Winter mit der Supermoto oder dem Pitbike zu trainieren, bieten sich nur ein paar wenige Termine und Indoor-Strecken dafür an. Da gibt es also nur eine Lösung: Motorrad und Ausrüstung einpacken und ab nach Spanien.

Die Trainingsmöglichkeiten in Spanien sind vielfältig  - daher unbedingt das Pitbike einpacken!

Die Trainingsmöglichkeiten in Spanien sind vielfältig - daher unbedingt das Pitbike einpacken!

Spanien – der Traum von Motorradfahrern

Zum einen eignet sich das auf der iberischen Halbinsel liegende Land in Westeuropa aus geografischer und klimatechnischer Sicht hervorragend für einen Trainingsaufenthalt in den Wintermonaten, zum anderen gibt es eine Vielzahl an Rennstrecken, welche sich über das komplette Land verteilen. Die Trainingsmöglichkeiten sind beinahe unendlich und erstrecken sich von klassischen Rundkursen über MX-Strecken bis hin zu Flat Track Anlagen. An den südlich gelegenen Rennstrecken, wie beispielsweise Almeria oder Cartagena, herrschen selbst anfangs Januar angenehme Aussentemperaturen von ca. 18°C und aufwärts. Meine persönliche Erfahrung mit den Temperaturen in Spanien ist, dass, für die Zeit von Dezember bis Ende Januar, in Valencia gerade noch gefahren werden kann, weiter nördlich aber auf Grund der geringeren Anzahl an Sonnenstunden, die Temperatur nicht unbedingt ideal ist, um mit dem Motorrad mit hohen Geschwindigkeiten im Kreis zu fahren. Grundsätzlich gilt: je südlicher, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit auf sonnige Tage und entsprechend wärmere Asphalttemperaturen. 

Der Circuito Almeria - 4.2 Km Fahrspass garantiert. (Foto: Patrick Köhli)

Der Circuito Almeria - 4.2 Km Fahrspass garantiert. (Foto: Patrick Köhli)

Circuito Nuevo Andalucia -  Auch eine beliebte Teststrecke für Motorradhersteller. (Foto: Simon Köhli)

Circuito Nuevo Andalucia - Auch eine beliebte Teststrecke für Motorradhersteller. (Foto: Simon Köhli)

Je südlicher, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit auf sonnige Tage und entsprechend wärmere Asphalttemperaturen.

– Patrick

Reise nach Spanien: fliegen oder fahren?

Die Anreise mit dem Auto oder Bus von Bern nach Valencia beläuft sich auf ca. 1'280 km und 12h Fahrzeit, mit dem Flieger ist die am Mittelmeer gelegene Hafenstadt sogar in nur 2h ab Zürich erreichbar. Gerade für die Trainings in Spanien bieten die meisten Trackday-Veranstalter Motorradtransporte ab diversen Standorten in Deutschland oder der Schweiz an. Für die Anreise an die doch etwas weiter gelegenen Rennstrecken gibt es also verschiedene Optionen. Dazu aber später mehr.  

Vorbereitungen und Motorrad-Transport nach Spanien

Tipp von mir: beginnt mit der Planung der Wintersaison frühestens Ende Sommer, sobald die Wintertermine bekanntgegeben und bestätigt sind. So habt ihr die Übersicht über alle verfügbaren Termine und könnt allenfalls kombinierte Trackday-Events buchen. Bei den über tausend Kilometer Anfahrt nach Spanien ist es zudem durchaus eine Überlegung wert, auf die Transportleistungen der Veranstalter zu setzen, anstatt wie sonst oftmals selber mit dem Bus zur Rennstrecke zu fahren. Der Vorteil der Motorradtransporte: das Motorrad wird vor dem Event dem Veranstalter übergeben und man reist selber gemütlich mit dem Flugzeug hinter. Preislich sind die beiden Optionen übrigens oft gar nicht allzu weit voneinander entfernt. Auf der Rennstrecke angekommen, nehmt ihr euer Motorrad wieder in Empfang und gebt es schliesslich am Ende der Veranstaltung wieder dem Veranstalter für den Rücktransport mit.

In den meisten Fällen ist es möglich, dass ihr neben dem Motorrad auch noch weiteres Material mitgeben könnt, zusatzgepäck im Flugzeug braucht ihr also nicht zwingend. Die konkreten Bestimmungen für den Transport eures Motorrades lest ihr in den Bedingungen der jeweiligen Veranstalter. Falls ihr aber doch lieber mit dem eigenen Bus anreisen möchtet, so ist das Übernachten im Fahrerlager auf den mir bekannten Rennstrecken (Almeria, Cartagena und Valencia) indes ohne grössere Umstände möglich. Alternativ werden euch, je nach Event und Veranstalter, auch gleich Hotel- oder sonstige Unterkunftsoptionen bei der Buchung vorgestellt.

Keine Sorge, der Weihnachtsmann findet euch auch im Süden! (Foto: Patrick Köhli)

Keine Sorge, der Weihnachtsmann findet euch auch im Süden! (Foto: Patrick Köhli)

Beginnt mit der Planung der Wintersaison frühestens Ende Sommer, sobald die Wintertermine bekanntgegeben und bestätigt sind.

– Patrick

Meine Programm-Empfehlung 

Im Winter 2021/2022 werde ich zum dritten Mal in Folge einige Wochen über den Winter in Spanien verweilen. Grundsätzlich sieht der Plan immer in etwa wie folgt aus: Angefangen wird mit ein paar Tagen Rennstreckenfahren in Almeria über die Weihnachtstage, organisiert von Bike Promotion. Da neben dem Circuito de Almería direkt der Circuito Nuevo Andalucía liegt und Bike Promotion auf beiden Kursen fährt, ist für ausreichend Abwechslung gesorgt. Zwischendurch gibt's etwas Abwechslung, zum Beispiel mit einer gemütlichen Motorradtour auf Mietmotorrädern z.B. vom Motorrad Testcenter Andalucia oder bei einer abwechslungsreichen Radfahrt durch die kurvigen und hügeligen Strassen Andalusiens. Nach Neujahr geht’s dann weiter nach Cartagena. Das Ziel dort: Dario und seine Pitbike/Racing-Schule, die Moto Race Academy. Auf dem Gelände des Circuito de Cartagena wird mit Pitbikes auf der top gepflegten Kartbahn gefahren – oder man kann Kreise um die «Turtles» fahren bis einem schwindelig wird. Mit der Betreuung durch Ex-Profirennfahrer Dario Giuseppetti wird, auf dem eigenen Pitbike oder einem Leihbike, Schritt für Schritt an der Fahrstiloptimierung gearbeitet. Viel Fahrzeit, viele Fortschritte, so das Motto, unter dem die Spanien-Tage stehen. Oftmals fehlt einem an einem Dreitages-Event dann schlussendlich doch die Zeit um verschiedene Dinge, wie z.B. Fahrwerk-Setup oder Übersetzungen etc., auszuprobieren.

Die bis zu 190 ccm3 grossen Motorräder bieten Fahrspass ohne Ende. (Foto: Patrick Köhli)

Die bis zu 190 ccm3 grossen Motorräder bieten Fahrspass ohne Ende. (Foto: Patrick Köhli)

Das Fahrverhalten der kleinen Flitzer kommt den Supersportern sehr nahe, daher ist pitbiken auch ein beliebtes Training. (Foto: Patrick Köhli)

Das Fahrverhalten der kleinen Flitzer kommt den Supersportern sehr nahe, daher ist pitbiken auch ein beliebtes Training. (Foto: Patrick Köhli)

Profitiere von den Motorrad-Profis

Da auch Profi-Rennfahrer über die Wintermonate nicht komplett auf das Motorradfahren verzichten wollen und können, sind Fahrer wie unter anderem Scott Redding, Jorge Martin, Marcel Schrötter immer wieder bei solchen Events anzutreffen, teilweise sogar als Riding Coaches, die für Instruktionen gebucht werden können. Alleine durch das Zuschauen bietet sich aber schon die Gelegenheit, zu lernen und beispielsweise die Linienwahl der Profis unter die Lupe zu nehmen. Neben dem deutlich besseren Wetter als Zuhause und den Möglichkeiten, an sich zu arbeiten, gibt es also noch viele weiter gute Gründe, warum ein Motorrad-Aufenthalt im Süden über den Winter sinnvoll ist: zum beispiel ein nett-gemeintes Selfie an Freunde und Familie aus dem sonnig-warmen Süden. ;-)

Ein Traum von vielen - Motorradfahren im Winter - Spanien macht's möglich. (Foto: Patrick Köhli)

Ein Traum von vielen - Motorradfahren im Winter - Spanien macht's möglich. (Foto: Patrick Köhli)

Auch GP-Strecken stehen auf der Programmauswahl

Gerade weil viele deutschsprachige Veranstalter Events über den Winter in Spanien anbieten, werdet ihr selbst im entfernten Jerez Trackdays besuchen können, die nach dem euch bekannten Qualitätsstandard organisiert sind. Die Fahrerbriefings werden in Deutsch und Englisch durchgeführt und mit etwas Glück steht dann auch ein Profirennfahrer ganz locker neben euch und nimmt sich die Zeit, einige Worte mit euch auszutauschen. Die Anfahrt und den Materialtransport könnt ihr flexibel alleine oder mit dem Veranstalter planen und mit dem sonnigen Wetter ist auch für gute Stimmung auf der Rennstrecke gesorgt. 

Worauf wartet ihr also noch? ¡Nos vemos en España!

– Patrick

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