Erste Hilfe und Sofortmassnahmen können bei einem Motorradunfall Leben retten.

Sofortmassnahmen bei einem Motorradunfall

Nichtstun ist bei einem Motorradunfall oftmals der grösste Fehler. Wir erklären euch, wie ihr euch in einer Extremsituation organisieren und verhalten solltet – und vielleicht sogar Leben retten könnt.

Wir alle lieben das Motorradfahren, sind uns den Gefahren des Strassenverkehrs jedoch genauso bewusst. Gerade zu Beginn der Motorradsaison passieren viele Motorradunfälle. Eine unglückliche Sekunde reicht und man steckt mitten in einer Unfallsituation. Doch was ist zu tun, wenn jemand aus der Gruppe plötzlich stürzt oder man als Unbeteiligter an einen Unfall heranfährt?

Text: Fabienne Plattner und Daniel Plat

Der erste Schritt: Unfallstelle sichern

Direkt nach einem Unfall herrscht oft eine Chaosphase, Beteiligte stehen möglicherweise unter Schock. Als erstes muss verhindert werden, dass nicht noch weitere Personen durch den rollenden Verkehr verletzt werden und keine Folgeunfälle passieren.

Es gilt also: Schauen – Denken – Handeln


Die Unfallstelle muss so schnell wie möglich gesichert werden. Da sich speziell bei Motorradfahrern die Unfälle oft in Kurven ereignen, stellt dies ein weiteres Problem dar. Rennt so schnell wie möglich einige Meter von der Unfallstelle weg und macht den kommenden Verkehr mit Zeichen (z.B. schwenkende Arme) auf das Hindernis aufmerksam. Legt eure Helme auf die Strasse oder stellt im Abstand von 50 – 100 Metern ein Pannendreieck auf die Fahrbahn. Wenn vorhanden, macht euch mittels Leuchtwesten gut sichtbar.

Schritt zwei: die Alarmierung

Ist die Unfallstelle gesichert, alarmiert sofort die Blaulichtorganisationen. Schildert eure Situation und wie viele Personen involviert sind. Sagt ihnen genau, wo ihr euch befindet. Vergesst nicht: es können bei Beteiligten auch Verletzungen entstanden sein, welche nicht sofort sichtbar sind. Es gilt: lieber einmal zu viel anrufen als einmal zu wenig. Bleibt nahe beim Unfallort und weist die Rettungskräfte ein – lasst aber auch genug Platz, damit die Hilfskräte ihrer Arbeit ungehindert nachkommen können. Die Polizei kommt übrigens nicht nur an die Unfallstelle, um danach eine Verzeigung zu schreiben – sie kommt auch, um die Unfallstelle richtig zu sichern und weiteren Hilfskräften die Arbeit zu ermöglichen.

Die wichtigsten Notrufnummern

  • Polizei 117
  • Rettungsdienst 144
  • Feuerwehr 118
  • Rega 1414
  • Europäische Notfallnummer 112

Medizinische Sofortmassnahmen

Die medizinische Ersthilfe ist oft essenziell und kann Leben retten. Nun ist es in allererster Linie aber wichtig, nicht noch weitere Verletzungen zu verursachen und auch sich selbst zu schützen. Versucht, Ruhe zu bewahren und nichts Unüberlegtes zu tun. Sobald die Unfallstelle gesichert ist, kann man sich um den Verunfallten kümmern. Nach erster Abschätzung die Ambulanz aufbieten, falls nicht schon gemacht. Falls Ihr mehrere Personen auf der Unfallstelle sind, verteilt die Aufgaben. Nun gibt es zwei unterschiedliche Szenarien.


Möglichkeit A: der/die Verunfallte ist ansprechbar

Wichtig ist in diesem Fall, die Person zu beruhigen und sie aufzufordern, sich nicht zu bewegen. Schaut sie euch an, um einen ersten Eindruck des Allgemeinzustandes zu bekommen. Gibt es sichtbare Verletzungen? Ist die Person sehr verwirrt? Klagt sie über Schmerzen im Halswirbelbereich oder am Rücken, blutet sie am Kopf oder kann sich nicht bewegen, dann lasst den Helm falls möglich auf, öffnet aber vorsichtig das Visier. Idealerweise versucht ihr den Kopf zu stabilisieren und bewegt die Person nicht.

Wenn das Unfallopfer keine derartigen Schmerzen verspürt, kann man den Helm vorsichtig ausziehen.


Gibt es sichtbare offene Wunden die stark bluten, dann versucht die Blutung zu stoppen/abzubinden, beispielsweise mit einem Gürtel oder einer Lasche des Rucksacks.

Versucht die ganze Zeit über mit dem Verunfallten zu sprechen. So bemerkt ihr sofort, ob sich sein Zustand verschlechtert. Falls der Verunfallte ansprechbar bleibt, heisst es einen ruhigen Kopf zu bewahren und auf die Rettungskräfte zu warten. Falls sich der Zustand jedoch plötzlich verschlechtert und das Unfallopfer bewusstlos wird, gilt automatisch die zweite Ausgangslage.


Möglichkeit B: der/die Verunfallte ist bewusstlos

Prüft in diesem Fall zuerst, ob die Person atmet. Ist dies der Fall, versucht sie durch Ansprechen oder Klemmen aufzuwecken. Achtung: Falls die Person bwusstlos bleibt, müsst ihr den Helm ausziehen. Dies ist heikel, jedoch müsst ihr sicherstellen, dass die Atemwege frei sind und dem Verunfallten keinen Erstickungstod droht. Bringt das Unfallopfer in eine stabile Seitenlagerung und kontrolliert die Atmung. Versucht seinen Kopf zu stabilisieren.

Atmet die Person nicht, muss auch hier der Helm ausgezogen werden. Leitet sofort die Herzdruckmassage ein: 30x Herzdruckmassage, 2x Beatmen.


Dies macht ihr so lange, bis die Person wieder selbstständig atmet oder, falls dies nicht gelingt, bis die Rettungskräfte eintreffen.

Erste Hilfe und Sofortmassnahmen können bei einem Motorradunfall Leben retten.

Erste Hilfe und Sofortmassnahmen können bei einem Motorradunfall Leben retten.

Helm ausziehen: eine Anleitung

Eine große Erleichterung für den Ersthelfer ist die Anwesenheit eines zweiten Helfers. Zu zweit solltet ihr dann folgendes beachten:

  • Ein Helfer kniet über dem Kopf und stabilisiert den Hals des Verunglückten mit beiden Händen, der andere Helfer kniet seitlich neben dem Motorradfahrer und klappt das Visier hoch; anschließend löst er den Kinnriemen und entfernt weitere störende Elemente wie einen Mundschutz, eine Brille o. ä.
  • Nun übernimmt der zweite Helfer die Stabilisierung des Halses und des Kopfes. Dabei schiebt er beide Hände soweit es geht unter den Helm und stützt den Kopf und die Halswirbelsäule des Verletzten.
  • Der erste Helfer zieht daraufhin vorsichtig den Helm vom Kopf des/der Verunglückten
  • Der erste Helfer kann nun den Kopf des Betroffenen übernehmen und weiterhin stabilisieren, bis der Notarzt eintrifft. Die Atemwege sollten frei sein und von eventuell vorhandenen Fremdkörpern befreit werden.

Nichtstun ist der grösste Fehler - auch in Extremsituationen

Auch wenn, oder gerade weil, solche Extremsituationen nicht einfach sind, sollte man sich gegenseitig helfen und versuchen, sich sinnvoll einzubringen. Dieser Beitrag ist kein Ersatz für einen professionellen Erste-Hilfe Kurs! Einen solchen solltet ihr unbedingt regelmässig besuchen. Dies stärkt das Selbstvertrauen und ermöglicht in einer ernsten Situation den Überblick zu behalten und richtig zu Handeln.
Falls ihr einmal einen solchen Unfall erlebt habt, sprecht unbedingt mit jemandem aus eurem Umfeld über das Geschehene, um es verarbeiten zu können. Lasst das Erlebnis Revue passieren und versucht, daraus zu lernen.

Und vergesst nicht: am schlimmsten ist es, nichts zu tun. Mit eurem persönlichen Einsatz könnt ihr vielleicht sogar ein Leben retten. Informiert euch regelmässig und sprecht auch eure Freunde auf dieses Thema an. Lasst uns gemeinsam Leben retten!

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